Ellinger mit neuen Mann
28. Dezenber 1990 FFB
Die „Ellinger Band” mit einem neuen Mann
Arthur Endrös am Keyboard / Nach längerer Pause ein Konzert in der „Hexe”
| Wenn es in den letzten Jahren eine Landkreisformation gab, die beständig überzeugte, dann war das die „Ellinger Band”, |
die letztes Wochenende in der „Hexe” bei freiem Eintritt aufspielte. Die Musikkneipe in Gröbenzell war gut gefüllt – kein Wunder, lag doch das letzte „Ellinger"-Konzert in hiesigen Gefilden eine Zeitlang zurück, was nicht zuletzt einigen Keyboardumbesetzungen zu verdanken war. So richteten sich alle Blicke auf den neuen Mann an den Tasten, dem schon im Vorfeld ein trefflicher Ruf als Komponist unter anderen für Garry Moore vorauseilte. So war es auch kein Wunder, daß Arthur Endrös von der ersten Minute an durch ausgefallene Soloeinlagen und spannende Kurzeinsätze überzeugte. Das Neumitglied hielt sich zwar noch merklich zurück, doch erlebten die „Hexe"-Besucher endlich einen Keyboarder, der sich nicht hinter seinem Instrument versteckt, sondern eigenständig agiert. Der Ex-Studiomusiker ist sicher ein Zugewinn für die Ellinger Crew, obwohl dadurch der Sound teilweise recht techniklastig wirkt.
Auf den erdigen Boden der Rocktatsachen holen den Keyboarder Sänger Michael Ellinger und Gitarrist Thommi Henle, wobei letzterer immer mehr an den Saiten gefällt. Mit exzellenter Technik beherrscht der sympathische Musiker harte, klare Passagen ebenso perfekt wie raumfüllende Klangillusionen. Hier beschränkt sich ein Gitarrist nicht auf die typischen fünf Akkorde, sondern nutzt das ganze Spektrum akustischer Vielfalt. So unterstreicht er eindrucksvoll den Gesang des Frontmannes. Dieser besitzt das, was auch Westernhagen, Lindenberg und Niedecken auszeichnet: das unbestreitbare Manko, nicht singen zu können, aber dennoch ungeheuer viel Aus-druck in ihrer Stimme zu besitzen. Michael Ellinger brüllt sich mit viel Feeling die Seele aus dem Leib, ohne Assoziationen an playbackmäßige Perfektion aufkommen zu lassen. Daß man dem Lockenkopf eher die temporeichen, dynamischen Songs ä la „Es werden immer mehr” abnimmt als die Schmusenummern, liegt wohl an der Tatsache, daß Ellinger ein aggressiv klingendes Organ hat.
Der zweite Teil des Abends zeigte deutlich, daß bei allem Lob sich die längere Livepause nicht uneingeschränkt positiv bemerkbar machte. Vor lauter Abwechslung, sei es Rock, Pfadfindergeklampfe, Ulkballett und Rock 'n' Roll ging die „Liederrock"-Tradition vergangener Konzerte leider verloren. Da wurde einfach zuviel gelacht und geblödelt. Der intellektuelle Touch, sonst Markenzeichen, blieb auf der Strecke. th
SEO by AceSEF

